Refraiming in der systemischen Beratung

„Ein orientalischer König hatte einen beängstigenden Traum: Er träumte, dass ihm alle Zähne, einer nach dem anderen ausfielen. Beunruhigt rief er seinen Traumdeuter herbei. Dieser eröffnete dem König sorgenvoll: „Ich muss dir eine traurige Mitteilung machen. Du wirst deine Angehörigen, einer nach dem anderen verlieren, ähnlich wie deine Zähne, die im Traum ausfielen.“ Dies erzürnte den König und er ließ den Mann in den Kerker werfen.

Ein zweiter Deuter wurde geholt und befragt. Er hörte sich den Traum an und sagte: „Ich bin glücklich, dir eine freudige Mitteilung machen zu können: Du wirst älter werden als alle deine Angehörigen, du wirst alle überleben.“ Der König war hoch erfreut und belohnte den Mann reichlich.“

(orientalische Geschichte, erzählt von Nossrat Peseschkian, mündliche Mitteilung)

 

Glück oder Unglück ?

Ein und dasselbe Ereignis,

2 gegensätzliche Perspektiven ergeben zwei unterschiedliche „Wirklichkeiten“.

Entscheidend ist die Perspektive, nicht die Angelegenheit an sich !

 

„Jede Medaille hat 2 Seiten“, ist uns als Spruch bekannt.

Die Frage ist: welche Perspektive bringt mich weiter ?

Ein Beispiel aus meiner Arbeitswelt:

Ich kann ein Kind in einem Elterngespräch als „hyperaktiv“ beschreiben, ich kann es aber so ausdrücken: “dieses Kind ist sehr bewegungsfreudig.“

Ein Kind kann „verhaltensauffällig“ sein, oder „verhaltensoriginell“.

Was ist der Unterschied ?

Der negativ belastete Begriff kann negative Schamgefühle hervorrufen, und so ein konstruktives Gespräch behindern.

Außerdem legt dieser Begriff den Menschen in meinem Kopf und im Kopf des Gegenübers negativ fest.

„Bewegungsfreudig“ bedeutet, dass das Verhalten des Kindes durchaus auch eine positive Seite hat.

Spaß an Bewegung ist gesund, hält die Gedanken auf Trab

Und spornt die Kreativität an, das ist ein viel besserer Einstieg.

Das es manchmal auch „nervt“, weil es zuviel ist, kann man so viel besser tragen und annehmen, wenn man merkt, dass man grundsätzlich erst einmal positiv gesehen wird.

 

Das lässt sich auf das ganze Leben übertragen:

Was ich über mich, das Leben oder Andere fühle, denke und rede, macht meine Wirklichkeit aus.

 

So wird aus :

  • Lahm – da weiß aber jemand sich Zeit zu nehmen !
  • Aggressiv – da hat jemand gelernt, seine Grenzen zu setzen
  • Störenfried – da möchte jemand vielleicht gesehen werden

 

Und gleich sieht man die ganze Situation in einem anderen Licht ! Innere Bilder verändern sich.

Diese positiven Zuschreibungen lassen Raum zum Atmen, Raum für Veränderung, denn nur dort wo die Sonne scheint wächst Gras !

Dies kann man auf sich und auf Andere anwenden.

 

Für meine eigene Psychohygiene habe ich mir dazu 2 Angewohnheiten antrainiert :

 

Ich halte 3x täglich inne (morgens mittags abends), um den Stand meiner Gefühlswelt zu reflektieren.

Bedrücken mich gerade negative Gefühle, Ängste , Sorgen oder geht es mir gut, kann ich durchatmen ?

Wenn ersteres zutrifft, nehme ich mir das Gefühl vor und schaue es an. Wenn ich in einer negativen Perspektive festhänge z. Bsp.:“das wird bestimmt ganz schlimm…“

Versuche ich bewusst auch die andere Seite zu sehen:“.. das könnte auch ganz anders ausgehen, dann wäre es eine wichtige Erfahrung…“ versuche diese andere Seite im Blick zu halten und dabei mehrfach tief durchzuatmen, um diesen positiven Moment in mir zu „verankern“.

 

Die zweite wichtige Angewohnheit ist mein Reden.

Es begann damit, dass ich einmal versuchen wollte, eine Stunde lang nichts negatives zu reden.

Nicht über mich und noch weniger über andere oder etwas das mir nicht gefällt.

Was denkst du, wie lang es gut ging ?

Keine 3 Minuten.

Ich fand es schockierend zu erkennen, mit wie viel negativen Gedanken und Worten ich mich selbst und andere „zumüllte“.

Seitdem habe ich mir angewöhnt wahrzunehmen, wenn eine negative Umschreibung aus meinem Mund kommen möchte und es dann entweder anders zu umschreiben oder es einfach nicht zu sagen.

Dieses konsequente Aussortieren einer negativen Sicht der Dinge wirkt sehr gesundend und entlastend.

Für mich selbst und alle Anderen.

 

Was man für sich selbst eingeübt hat, kann man dann auch auf Andere anwenden.

 

„reframen“ ist also gesund !

Es ist eine Methode die die grundlegend positive Sicht des Menschen in der systemischen Beratung begründet !

 

REFRAME YOURSELF 😉